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25 Jahre Homburgisches Gymnasium Nümbrecht – Ein Rückblick auf Schlaglichter der Schulentwicklung

Schulstart

 Am 31. August 1992 startete das Gymnasium Nümbrecht mit einer kleinen Eröffnungsfeier in sein erstes Schuljahr. Die angemeldeten 96 Schüler[1] wurden in drei Eingangsklassen aufgeteilt. Da das Gymnasium noch kein eigenes Schulgebäude besaß, waren in den Räumlichkeiten der     Hauptschule drei Klassenräume für die Fünftklässler eingerichtet worden. Zum ersten Schulleiter wurde Dr. Günther Schäfer gewählt. Der damals 47-jährige Pädagoge promovierte 1975 im Fach Mathematik und war seit 1977 Lehrer am Hollenberg-Gymnasium in Waldbröl. Dort unterrichtete er die   Fächer Mathematik, Erdkunde und Informatik und war seit 1986 stellvertretender Schulleiter. Sein neues Kollegium am Nümbrechter Gymnasium bestand zunächst lediglich aus vier Lehrerinnen: Claudia Saatweber (Deutsch, Englisch, ev. Religion), Edith Josko-Munsch (Mathematik, Chemie), Dr.   Monika Grieger (Deutsch, Sozialkunde) und Christine Stell-Schlef (Biologie, Erdkunde). Ergänzt wurde das Kollegium um zwei weitere Lehrkräfte, die stundenweise von den umliegenden Gymnasien abgeordnet wurden. Herr Dr. Schäfer musste allerdings zum Schulstart auf einen Stellvertreter   verzichten. Norbert Ollig war zwar zum stellvertretenden Schulleiter gewählt worden, trat aber seine Stelle nicht an. Es sollte schließlich ein Schuljahr dauern, bis Brigitte Engelhardt die vakante Stelle besetzte. Die Oberstudienrätin wurde vom Regierungspräsidenten eingesetzt. Der Nümbrechter   Gemeinderat hatte eigentlich Dieter Klaas zum neuen Stellvertreter gewählt, da Frau Engelhardt aber über die gleiche Eignung verfügte, verstieß das Votum des Gemeinderats gegen das Frauenförderungsgesetz.
 

Der lange Weg bis zur Einrichtung eines Gymnasiums in Nümbrecht

Der Gründung des Gymnasiums Nümbrecht zum Schuljahr 1992/1993 gingen zahlreiche Diskussionen in Politik und Bürgerschaft voraus: Soll ein Gymnasium oder eine Gesamtschule gegründet werden? Sollen ein Gymnasium und eine Gesamtschule gegründet werden? Sollen Teile der Waldbröler Gesamtschule nach Nümbrecht ausgelagert werden? Dies waren die kontroversen Fragen, die es zu beantworten galt. Ausgelöst wurde die Frage um die Zukunft des Nümbrechter Schulstandorts durch zwei zentrale Faktoren. Zum einen waren die Schulen mit gymnasialer Oberstufe der Nachbargemeinden Wiehl und Waldbröl voll ausgelastet. Zum anderen hatte sich in Nümbrecht die „Elterninitiative Gymnasium Nümbrecht“ gebildet. Diese übte Druck auf den Gemeinderat aus und forderte die schnellstmögliche Einrichtung eines Gymnasiums in Nümbrecht, damit ihre Kinder zukünftig in der eigenen Gemeinde zur Schule gehen könnten. Nach monatelangen Gesprächen kam es schließlich im Mai 1991 zu handfesten Beschlüssen. Der Nümbrechter Rat beschloss die Errichtung eines Gymnasiums zum Schuljahresbeginn des Schuljahres 1992/1993 und die Errichtung einer eigenständigen Gesamtschule ein Schuljahr später. Dieser ambitionierte Beschluss war zuvor mit dem Kölner Regierungspräsidenten Dr. Franz-Josef Antwerpes abgestimmt worden. Offenbar war Herr Dr. Antwerpes aber selbst nicht besonders überzeugt von den Plänen der Nümbrechter. Bereits im August 1991 äußerte er sich auf einer Pressekonferenz folgendermaßen zu der Idee, zusätzlich eine Gesamtschule zu gründen: „Das ist eine Science-Fiction-Story, was die da vorhaben. Ich könnte ja sagen: Warum fordern die Nümbrechter nicht gleich eine Universität? Aber das sag´ ich lieber nicht“. Zeitgleich zu den Nümbrechter Beschlüssen erhielt das Schulzentrum in Waldbröl die Genehmigung, den Schulstandort um 18 Klassen auszubauen. Dadurch konnten die Kapazitätsengpässe an der Gesamtschule Waldbröl beseitigt werden, weshalb es in der Folgezeit nicht mehr nötig war, eine zusätzliche Gesamtschule in Nümbrecht einzurichten. Herr Antwerpes hatte Recht behalten.

 

Eigenes Schulgebäude

Nach dem Schulstart im August 1992 begann man im November 1992 damit, ein eigenes Schulgebäude zu bauen. Die umfangreiche Baumaßnahme umfasste 26 Unterrichts-, zwei Mehrzweck-, drei Musik-, zwei Kunst- und sechs naturwissenschaftliche sowie zahlreiche Nebenräume undeine Aula. Der Neubau wurde zwischen Hauptschule und Sporthalle gesetzt. Der Architekt Hans-Christian Hein entwarf das Gebäude. Er sagte über dessen Form: „Es ist wie ein offenes Buch, in dem man lesen kann“. Der Bau ging schnell voran, bereits nach sieben Monaten konnte im Juni 1993 Richtfest gefeiert werden. Bei strahlendem Sonnenschein stellte Herr Hein den Gästen den Rohbau vor. Anschließenden diente das Speichergeschoß als „Dachgarten“, um in luftiger und sonniger Höhe den Richtschmaus zusichzunehmen. Knapp zwei Jahre später war es so weit, im Mai 1995 konnte die Schulgemeinschaft die komplette Fertigstellung des Gebäudes mit einem großen Schulfest feiern.

 

Erstes Abitur

Wie feierlich es bei amerikanischen Schulabschlussfeiern zugeht, weiß man aus Filmen: Schulabgänger, die in einheitlichen Roben ihre Zeugnisse entgegen nehmen, stolze, gerührte Eltern, zufriedene Lehrkräfte, zahlreiche emotionale Ansprachen sowie unterhaltsame Musikbeiträge. Die Abiturfeier zur Verabschiedung des ersten Abiturjahrgangs am Gymnasium Nümbrecht 2001 trug eine ähnliche Handschrift. Als die 38 Abiturienten, nach amerikanischem Vorbild in königsblaue Roben gekleidet, in die Aula einzogen, erhoben sich alle Gäste von den Plätzen und applaudierten lautstark. Mit diesem Festakt war der Aufbau des Gymnasiums, der 1992 mit der fünften Jahrgangsstufe und 96 Schülern begonnen hatte, neun Jahre später abgeschlossen. Es dauerte weitere acht Jahre, bis Sinje Kalikat 2009 als erste Schülerin am Gymnasium Nümbrecht ihr Abitur mit der Traumnote 1,0 abschloss.

 

Wechsel der Schulleitung

Im Herbst 2000 wechselte die stellvertretende Schulleiterin Brigitte Engelhardt als Schulleiterin an das neu gegründete Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Bornheim. Nach einer schnellen Personalentscheidung konnte Therese Weier (Chemie, Erdkunde) bereits im November 2000 als neue Stellvertreterin in ihr Amt eingeführt werden. Die Lehrerin aus Neunkirchen-Seelscheid unterrichtete zuvor am Waldbröler Hollenberg-Gymnasium. Frau Weier ist aktuell die dienstälteste Lehrkraft am HGN. Zum Ende des Schuljahres 2007/2008 ging der bisherige Schulleiter Dr. Günther Schäfer nach 33 Dienstjahren in Pension. Sein Nachfolger ist bis heute Thorgai Wilmsmann. Herr Wilmsmann wurde 1965 im westfälischen Bünde geboren und studierte in Bielefeld die Fächer Geschichte und Sozialwissenschaften. Nach dem Referendariat in Leverkusen unterrichtete er an einem Dresdner Gymnasium, bevor er 1996 an die Gesamtschule Waldbröl wechselte. Von 2005 bis Mitte 2008 bildete er als Fachleiter für Geschichte am Studienseminar Köln Lehramtsanwärter aus. Bei seiner Amtseinführung Anfang August 2008 nahm sich der neue Schulleiter als eines seiner ersten Ziele vor, eine Diskussion in Gang zu bringen, ob das Gymnasium zu einer Ganztagsschule umgestaltet werden soll, um der Umsetzung der höheren Unterrichtsstundenzahl im Rahmen von G8 pädagogisch angemessen begegnen zu können.

 

Schuljahr 2010/2011

Im Folgenden wird auf das Schuljahr 2010/2011 näher eingegangen, weil die Veränderungen, die ab diesem Schuljahr eingeführt wurden, das pädagogische Profil der Schule bis heute prägen. Erstens wurde das Gymnasium zu einer gebundenen Ganztagsschule. Dieser Entscheidung sind zahlreiche Diskussionen in Politik und Schulgemeinschaft vorausgegangen. Im November 2009 beschloss dann die Schulkonferenz mit nur einer Stimme Mehrheit bei acht Nein-Stimmen die Umwandlung zu einem Ganztagsgymnasium. Dies zeigt, wie gespalten man anfangs noch in der Frage war. Zweitens wurde mit der Einführung des Ganztags auch eine „neue Zeitrechnung“ eingeführt. Die einzelnen Unterrichtsstunden dauerten nicht mehr 45 Minuten, sondern 60 Minuten. Dies hatte zum Ziel, im Ganztagsbetrieb die Anzahl der täglichen Unterrichtsstunden zu reduzieren und innerhalb der Unterrichtsstunden mehr Freiräume für vertiefte Auseinandersetzungen mit Unterrichtsinhalten zu schaffen. Die Anmeldezahlen gaben dem neuen pädagogischen Konzept recht: Für das Schuljahr 2010/2011 lagen 111 Anmeldungen vor, sodass zum ersten Mal mit Hilfe einer Sondergenehmigung der Bezirksregierung eine vierte Eingangsklasse gebildet werden konnte. Seitdem war es bis heute jedes Jahr möglich, vier fünfte Klassen einzurichten. Dafür war bis zu diesem Schuljahr immer die Sondergenehmigung nötig. Seit diesem Schuljahr fällt diese aber weg, weil die Politik beschlossen hat, die Vierzügigkeit dauerhaft beizubehalten. Drittens bekam die Schule endlich einen eigenständigen Namen. Das „Gymnasium Nümbrecht“ wurde umbenannt in „Homburgisches Gymnasium Nümbrecht“. Der Namensänderung vorausgegangen war eine Initiative der Schülervertretung, die bemängelte, dass man sich mit dem bisherigen Namen nicht identifizieren konnte. Im Rahmen eines Schülerwettbewerbs wurde ebenfalls das heutige Logo ermittelt. Pia Becker und Susanne Bee entwarfen das stilisierte „H“. Darin finden sich die Linde sowie die Lampionlaternen des Lindenhofs ebenso wieder wie die Farben Gelb, Blau und Grün, die auch das Nümbrechter Gemeindewappen zieren.

 

Besondere Veranstaltungen und Erfolge der Schulgeschichte 

An dieser Stelle könnte man in mittlerweile mehr als 26 Jahren Schulgeschichte natürlich zahlreiche Kulturveranstaltungen, Gedenkfeiern, sportliche Erfolge, Siege bei Wettbewerben und Vieles mehr auflisten. Deswegen werden exemplarisch drei Schulaktivitäten herausgegriffen, die die Vielfalt des Schullebens widerspiegeln. Zum einen ist der bis heute jährlich stattfindende „Szenenwechsel“ zu nennen. Diese Kulturveranstaltung mit Musik, Tanz, Theater und Literatur hat der Lehrer Jürgen Vogt im Juni 2001 ins Leben gerufen. Dieses Schuljahr findet bereits der 18. „Szenenwechsel“ statt. Damit ist ein zentraler Wunsch der oben erwähnten „Elterninitiative Gymnasium Nümbrecht“ Realität geworden. Diese hatte damals gefordert, dass „auch der musisch/ künstlerische Schwerpunkt zufriedenstellend und langfristig gesichert werden kann.“ Im sportlichen Bereich sind vor allem die Erfolge der Handballerinnen erwähnenswert. Diese konnten sich unter der Leitung der Lehrerin Marion Sturm sowohl 2013 als auch 2015 als Landesmeister für das Bundesfinale in Berlin qualifizieren. 2015 erreichte die Mannschaft in der Hauptstadt einen hervorragenden vierten Platz. Abschließend soll hier ein Fernsehauftritt im „Tigerentenclub“ Erwähnung finden. Im Oktober 2009 traten fünf Sechstklässler (Luisa Heiden, Leonora Ilazi, Robin Mettner, Tom Hillenbach, Lina Samel) gegen eine Gesamtschule aus Dillingen an. Da es am Ende unentschieden stand, bekamen beide Schulen 600 Euro Preisgeld und beide Schulleiter mussten ein Schaumbad nehmen. Außerdem trafen die Schüler im Studio Alexander Rybak, den Gewinner des Eurovision Song Contest 2009.

 

Schulzentrum wird zum „Campus der inklusiven Bildung“

Nach diesem schlaglichtartigen Rückblick wird nun der Blick nach vorne gerichtet und dabei besonders auf die geplanten baulichen Veränderungen am Schulzentrum eingegangen. Mit Ende des Schuljahres 2016/2017 sind die Hauptschule sowie die Realschule am Nümbrechter Schulstandort ausgelaufen. Seitdem gibt es an der Mateh-Yehuda-Str. noch zwei Schulen im Ganztagsbetrieb. Die „Sekundarschule Nümbrecht Ruppichteroth“ und das HGN. Das Schulzentrum mit diesen beiden Schulen wird ab Sommer 2019 umgebaut und erweitert zu einen „Campus der inklusiven Bildung“ nach dem Vorbild moderner norwegischer Schulen. Es handelt sich um ein Großprojekt mit einem kalkulierten Kostenumfang von 21 Millionen Euro. Die Bauzeit beträgt drei bis fünf Jahre. Das Besondere an dem Projekt ist, dass zuerst Schulträger und Schulgemeinschaften gemeinsam überlegt haben, wie die pädagogische Ausgestaltung der Schulen in der Zukunft aussehen soll und dass danach eine pädagogisch sinnvolle architektonische Lösung für die Umgestaltung der Schulgebäude gefunden wurde. Herr Wilmsmann kommentierte die „Campus-Idee“ im März 2016 folgendermaßen: „Hier entsteht ein Meilenstein“!

 

Marco Zangrando, Lehrer am Homburgischen Gymnasium Nümbrecht

Artikel aus: Heimatverein Nümbrecht (Hrsg.): Heimat-Klänge. 66. Jahrgang. Nümbrecht 2018, S. 22-24.

© Heimatverein Nümbrecht


[1] Zur besseren Lesbarkeit wird ausschließlich die männliche Form verwendet, alle weiteren Geschlechtsformen sind stets mitgedacht.